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Lange Flüge, Bus- und Bahnfahrten über viele Stunden: Wer wenig Platz hat und sich kaum bewegt, erhöht sein Risiko für eine Thrombose in den Beinvenen. Das Risiko ist für gesunde Reisende gering, es steigt aber mit der Reisedauer und mit bestimmten Vorerkrankungen.
Die gute Nachricht: Reisethrombose vorbeugen ist einfach und kostet nichts. Die wichtigere Nachricht betrifft den Fall, dass trotzdem Beschwerden auftreten. Dann zählt schnelles Handeln, und die Abklärung gehört in ärztliche Hände. Das Standardverfahren dafür ist die Duplexsonographie, eine Ultraschalluntersuchung, die Blutfluss und Gefäßverschlüsse sichtbar macht.
Wie eine Reisethrombose entsteht
Das Blut in den Beinvenen fließt gegen die Schwerkraft nach oben. Dafür braucht es Hilfe: Bei jedem Schritt drückt die Wadenmuskulatur auf die Venen und schiebt das Blut Richtung Herz. Diese sogenannte Muskelpumpe ist der wichtigste Mechanismus.
Wer stundenlang sitzt, schaltet sie ab. Das Blut staut sich in den Unterschenkeln, fließt langsamer, und bei langsam fließendem Blut steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Gerinnsel bildet. Kommt beengte Sitzhaltung dazu, bei der die Venen zusätzlich abgedrückt werden, verstärkt sich der Effekt.
Das Deutsche Grüne Kreuz fasst die Zusammenhänge zur Reisethrombose zusammen. Der Kern: Nicht das Fliegen an sich ist das Problem, sondern die Bewegungslosigkeit. Eine lange Autofahrt ohne Pausen wirkt ähnlich.
Ab wann das Risiko steigt
Als Orientierung gilt: Reisen unter vier Stunden sind für gesunde Menschen unkritisch. Ab vier Stunden steigt das Risiko messbar, ab acht Stunden deutlicher.
Das Centrum für Reisemedizin hat die Datenlage dazu in einer Übersicht zur Reisethrombose aufbereitet. Für die meisten Reisenden bleibt das absolute Risiko auch auf Langstrecken niedrig.
Entscheidend ist deshalb weniger die Reisedauer allein als ihre Kombination mit persönlichen Risikofaktoren. Wer mehrere davon mitbringt, sollte die Vorbereitung ernster nehmen als jemand ohne.
Wer ein erhöhtes Risiko hat
Folgende Umstände erhöhen das Risiko:
- frühere Thrombose oder Lungenembolie in der eigenen Vorgeschichte
- Thrombosen in der nahen Verwandtschaft
- Operationen in den Wochen vor der Reise, besonders an Hüfte, Knie oder Bauchraum
- Schwangerschaft und die Zeit danach
- Einnahme hormoneller Verhütungsmittel oder Hormonersatztherapie
- starkes Übergewicht
- Krebserkrankungen und deren Behandlung
- höheres Lebensalter
- ausgeprägte Krampfadern
Wenn mehrere Punkte auf Sie zutreffen und eine Langstreckenreise ansteht, sprechen Sie vorher mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Das Auswärtige Amt verweist für solche Fragen auf den Gesundheitsdienst und auf reisemedizinische Beratungsstellen.
In solchen Gesprächen geht es nicht um Abraten. Es geht darum, ob zusätzliche Maßnahmen sinnvoll sind, etwa angepasste Kompressionsstrümpfe oder in bestimmten Fällen eine medikamentöse Vorbeugung.
Was auf der Reise hilft
Die wirksamsten Maßnahmen sind unspektakulär. Sie zielen alle auf dasselbe: die Muskelpumpe in Gang halten und das Blut dünnflüssig genug.
Bewegung, auch auf kleinstem Raum
Aufstehen und ein paar Schritte gehen ist die beste Variante. Im Flugzeug heißt das: einmal pro Stunde durch den Gang, bei Bahnfahrten durch den Waggon, bei Autofahrten alle zwei Stunden eine Pause mit ein paar Minuten Gehen.
Wenn das nicht geht, etwa während einer längeren Turbulenzphase oder am Fensterplatz, funktionieren Übungen im Sitzen. Eine Klinik zeigt, wie die Muskelpumpe aktiviert wird, wenn Bewegung eingeschränkt ist.
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Die Übungen stammen aus dem Klinikkontext und funktionieren im Flugzeug genauso. Zwei davon brauchen fast keinen Platz: Füße im Wechsel anziehen und strecken, danach Zehen aufsetzen und Fersen heben. Zehn Wiederholungen pro Stunde reichen aus.
Ausreichend trinken
Trockene Kabinenluft entzieht dem Körper Flüssigkeit, und wer weniger trinkt, hat dickflüssigeres Blut. Trinken Sie deshalb regelmäßig Wasser, auch ohne Durstgefühl.
Alkohol wirkt in die andere Richtung und fördert zusätzlich die Müdigkeit, die Bewegung verhindert. Kaffee ist in moderaten Mengen unproblematisch, ersetzt aber kein Wasser.
Ein praktischer Punkt: Viele trinken auf Flügen bewusst wenig, um seltener zur Toilette zu müssen. Das ist kontraproduktiv, weil genau dieser Gang die Beine bewegt.
Kleidung und Sitzposition
Enge Hosenbünde, einschneidende Socken und überschlagene Beine behindern den Rückfluss zusätzlich. Bequeme Kleidung ist auf Langstrecken kein Komfortthema, sondern Teil der Vorbeugung.
Beim Sitzen gilt: Beide Füße auf dem Boden, Knie nicht dauerhaft angewinkelt in derselben Position, Beine nicht übereinanderschlagen. Wenn Sie die Wahl haben, ist der Gangplatz günstiger als der Fensterplatz, weil Aufstehen leichter fällt.
Handgepäck unter dem Vordersitz schränkt den Beinraum ein. Verstauen Sie, was Sie während des Flugs nicht brauchen, im Gepäckfach über sich.
Kompressionsstrümpfe
Medizinische Kompressionsstrümpfe üben von außen Druck auf die Venen aus und unterstützen den Rückfluss. Für Menschen mit erhöhtem Risiko gehören sie zur Standardempfehlung bei Langstreckenreisen.
Wichtig ist die richtige Größe. Strümpfe, die am Bein einschneiden oder verrutschen, wirken nicht wie gedacht. Lassen Sie im Sanitätshaus Maß nehmen, statt nach Konfektionsgröße zu greifen, und ziehen Sie die Strümpfe morgens vor dem Aufstehen an, wenn die Beine noch nicht angeschwollen sind.
Für Reisende ohne Risikofaktoren sind sie kein Muss. Schaden tun sie bei korrekter Passform aber nicht, und viele empfinden die Beine nach langen Flügen als weniger schwer.
Wenn Beschwerden auftreten
Eine Thrombose kann sich während der Reise bemerkbar machen, häufiger aber in den Tagen danach. Deshalb gilt die Aufmerksamkeit auch noch zwei bis vier Wochen nach der Rückkehr.
Anzeichen, die ärztlich abgeklärt gehören:
- Schwellung eines Beins, oft einseitig
- Spannungs- oder Schweregefühl in der Wade
- Schmerz, der beim Auftreten oder bei Druck zunimmt
- Überwärmung oder rötlich-bläuliche Verfärbung
Diese Liste dient der Aufmerksamkeit, nicht der Selbstbeurteilung. Thrombosesymptome werden regelmäßig mit Muskelkater oder einer Zerrung verwechselt, und umgekehrt. Ob tatsächlich ein Gerinnsel vorliegt, lässt sich von außen nicht feststellen.
Bei plötzlicher Atemnot, Brustschmerz oder Bluthusten rufen Sie den Notruf 112. Das können Anzeichen einer Lungenembolie sein, und in diesem Fall zählt jede Minute.
Wie die Abklärung abläuft
Bei Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose ist die Ultraschalluntersuchung der Beinvenen das Standardverfahren. Die aktuelle Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie beschreibt das Vorgehen im Einzelnen.
Praktisch läuft es so ab: Die Ärztin setzt den Schallkopf auf das Bein und prüft, ob sich die Venen durch leichten Druck zusammendrücken lassen. Eine Vene, die sich nicht komprimieren lässt, enthält mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Gerinnsel. Die Duplexsonographie zeigt zusätzlich den Blutfluss in Farbe und macht damit sichtbar, wo er gestört ist.
Die Untersuchung dauert wenige Minuten, tut nicht weh und kommt ohne Strahlung aus. Sie lässt sich deshalb auch bei unklaren Beschwerden einsetzen, ohne dass eine Belastung entsteht.
Für Menschen mit Vorerkrankungen der Venen kann eine solche Untersuchung auch vor einer geplanten Langstreckenreise sinnvoll sein. Sie zeigt, wie es um den Zustand der Gefäße steht, und sie liefert einen Ausgangsbefund für den Fall, dass später Beschwerden auftreten.
Vorbereitung bei Vorerkrankungen
Wenn Sie bereits eine Thrombose hatten oder Gerinnungshemmer einnehmen, gehört die Reiseplanung in ein ärztliches Gespräch. Vier Punkte klären Sie dort:
Medikamente. Wie werden sie bei Zeitverschiebung eingenommen, und was ist bei Zwischenfällen zu tun?
Kompressionsversorgung. Welche Klasse ist für die Reise richtig, und sind die vorhandenen Strümpfe noch passend?
Mitzuführende Unterlagen. Ein Medikationsplan und bei Dauermedikation eine ärztliche Bescheinigung erleichtern die Mitnahme im Handgepäck.
Anlaufstellen am Zielort. Wo gibt es im Reiseland eine Klinik mit entsprechender Diagnostik, und deckt die Auslandskrankenversicherung die Behandlung?
Fazit
Reisethrombose vorbeugen heißt vor allem: die Muskelpumpe in Gang halten. Regelmäßige Bewegung, ausreichend trinken und Kleidung, die nicht einschnürt, decken den größten Teil ab.
Wer Risikofaktoren mitbringt, bespricht die Reise vorher ärztlich. Und wer nach der Rückkehr eine einseitige Beinschwellung oder anhaltende Wadenschmerzen bemerkt, lässt das abklären, statt abzuwarten. Die Untersuchung dauert Minuten, ein übersehenes Gerinnsel kann Wochen kosten.
Nehmen Sie sich vor der nächsten Langstrecke zwei Minuten für eine ehrliche Durchsicht der Risikoliste oben. Was dort auf Sie zutrifft, gehört in ein kurzes Gespräch in der Hausarztpraxis.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Thrombose wenden Sie sich an eine Arztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117; bei Atemnot, Brustschmerz oder Bluthusten wählen Sie den Notruf 112.
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